
21.06. 2008
Werde ganz freundlich am Bahnhof in Ansbach von Kerstin, Boris und Marc verabschiedet. Bekomme ein T-shirt auf dem kurillische Wörter den Russen zu verstehen geben sollen, dass sie lieb zu mir sein müssen.

Ankunft in Aschaffenburg. Ich weiß nicht, wo die Friedensradfahrer sind, bzw. wo sie übernachten. Verbringe den Nachmittag mit Herumbummeln in der Stadt und auf dem Volksfestplatz. Abends halte ich einen Streifenwagen an und der Beamte sagt mir, dass die Friedensradler in 10 Minuten am Südring vorbeikommen. Sie erklären mir den Weg dorthin und ich komme gerade rechtzeitig wie die Gruppe mit Polizeibegleitung ankommt.
Ich schließe mich denen an und nach ein paar Kilometern sind wir an der Turnhalle zum übernachten. Die Russen bzw. Belarussen sprechen mich auf mein T-shirt an. Sie meinen, das sei nur Nonsens, was darauf steht. Sie fragen nach einem Supermarkt. Wollen sie Wodka? Sonst ist ja hier alles zu haben. Es ist aber Sonntag und ich kenne mich in Aschaffenburg auch nicht aus.

Abends ist ein Vortrag von Josef Fell über erneuerbare Energien. Anschließend kann man Russland bei der Europameisterschaft nebenan in der Gartenwirtschaft gewinnen sehen.
Habe Kontakt zu Uwe, der die Aufnahme macht. Schlafe schlecht. Die Ohrstöpsel helfen die lauten Schnarcher nicht so stark zu hören.
22.06.
Ein Teil fährt mit dem Zug, ich natürlich mit ca. 30 anderen mit dem Fahrrad. Die Strecke ist hügelig und anstrengend. Nach 40 km kommen wir in Lohr an, wo wir die anderen auch treffen. Wir werden dort von dem Bürgermeister und Schneewittchen mit Äpfeln empfangen..

Mit Polizeibegleitung geht es weiter und zwischendurch baden wir im Main. Die Polizei wartet geduldig bis wir erfrischt wieder auf unseren Rädern sind. In Hammelburg angekommen werden wir am Bierzelt auf dem Feuerwehrfest begrüßt. Die Feuerwehr

feiert 150 jähriges Jubiläum. Josef Fell, Bundestagsabgeordneter der Grünen und der SPD Bürgermeister halten eine Ansprache. Wir präsentieren unser Transparent – Bike for Peace and new energies- und tanzen auf die Humpa-Humpa-Musik. Fahrt durch schönen Park in Bad Kissingen. Tagesstrecke 110 km. Übernachtung in Steinach in der Turnhalle (sehr warm)

Geschichtlicher Termin von Konni Schmidt mitgeteilt: am 22.06.41 begann Krieg gegen Sowietunion.
23.06.

Besichtigung der Mühle in Steinach. Die Mühle wurde als Energiezentrum ausgebaut. Erzeugt Strom für ca. 15 – 20 Häuser im Jahr, seit dem Jahr 2000. Laut Auskunft des privaten Betreibers will das LRA Bad Kissingen den Wasserlauf des Baches begrenzen. Das wäre für die Energieerzeugung ein herber Rückschlag. Der Betreiber fragt sich ob das ein bürokratischer Angriff gegen ihn, bzw. die Ökologie ist. Der Betreiber verkauft den Strom an EON und bekommt ca. 300 Euro im Monat dafür. Wir fahren heute nie Strecke ist nicht so bergig, aber auch anstrengend. Ankunft in Viernau.

Begrüßung von Bürgermeister Hellmann, SPD. Gehen mit ihm zum Kriegerdenkmal.Beim Krieg 1870 2 Tote in der Gemeinde; beim 1. Weltkrieg 40 Tote und beim 2. Weltkrieg 200 Tote! Wir gedenken des Kriegswahnsinns. In Viernau kommen wir an dem Haus der Friseurweltmeisterin, Frau Hofmann vorbei und laufen dann den Berg hinauf, wo wir zum Grillen eingeladen sind. Vom Berg herunter sehen wir den Hermannsberg.

Rechts davon ist der große Bierberg zu sehen. Übrigens gibt es beim Grillen auch ein gutes dunkles Bier, das uns vom Bürgermeister empfohlen wird. Der Bürgermeister erklärt uns, dass Viernau sehr auf alternative Energien baut. Auf der Turnhalle, in der wir übernachten, ist eine Solaranlage installiert. Der Bürgermeister bekommt von Konni Schmidt ein Ladegerät mit Solarzelle (fz.B.ür Handys ) geschenkt.
24.06.
Ich werde beim Abschied von Viernau von einem Pressemann interviewt, der für verschiedene Zeitungen schreibt. Ich erkläre ihm, dass ich von Ansbach komme, von wo aus die US-Army einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg führt. Das verstößt gegen das Grundgesetz, welches vorschreibt, dass von Deutschem Boden kein Krieg mehr ausgehen darf. Der Pressemann meint daraufhin, dass wir ja ein ganz breit gefächertes Programm hätten. Wir werden von Kindern des hiesigen Kindergartens mit ein paar Liedern goldig verabschiedet. Außerdem wird noch eine „Friedenstaube“ fliegen gelassen.


Wir fahren los und baden nochmals bei Oberschönau, ganz idyllisch gelegen., dann 10 km Steigung – 600 m Höhenunterschied. Wir rasten in Oberhof, Thüringer Hütte, 904 m ü.d.M., höchster Berg Thüringens. Konni ist nicht da? Wann geht es weiter? Wir warten ein bisschen ratlos herum.
Konni kommt, radelt mit und wir fahren glatt an einer Gedenkstätte vorbei, an der schon lange Jürgen Ludwig wartet, um uns was darüber zu erzählen. Es hat einiges gebraucht, bis die Gruppe gestoppt wurde. Es fuhren nur ein paar zurück, die anderen warteten. Es war die Gedenkstätte Jonastal S III, Außenstelle Buchenwald, der Stadt Arnstadt zugehörig.

In der Nähe ist der Truppenübungsplatz Ohrdruff. Im zweiten Weltkrieg war da ein wichtiger Stützpunkt der Deutschen Armee. Es wurden hier neue Waffen entwickelt. Die Alliierten waren daran sehr interessiert. Sie bildeten einen Stoßtrupp vom Rhein her und folgten dann Werner von Braun, der von hier aus in die Alpen geflohen war. Die Befreiung des KZ Buchenwald war da nicht so wichtig und kam erst später. Werner von Braun wurde von den Amerikanern übernommen. Karwinkel wurde zu 75 Prozent zerstört. Am 6. April 1945 waren die Amerikaner in Arnstadt. Am 11.04. wurde Buchenwald befreit. In der Kaserne war ein großes Archiv mit vielen Unterlagen, das von der USA für 25 Jahre geschlossen wurde. Niemand weiß was geschah. Die Akten waren von Berlin nach Jonastal verlegt worden. Im Kalten Krieg waren da Atomraketen von den Russen. Die Russen sind jetzt fort, warum nicht bei uns die Amis? Momentan ist da jetzt eine Bundeswehrkaserne. Soldaten werden von dort aus nach Afganisthan geschickt. Es hat eine Bürgerbewegung gegen jegliche Stationierung gegeben. Nähere Information: Jürgen Ludwig, Umeltmedienzentrum Arnstad, 03628640723, Tel. ; www. Grüneligaarnstadt.de.
Wir kommen in Weimar an. Auf Erfurt mussten wir verzichten. Wegen Verzögerung war dafür keine Zeit mehr. Atolia besuchte Erfurt mit ein paar anderen Russen auf eigene Faust. Übernachtung im Zelt. Schlafe gut, habe aber morgens Halschmerzen. Die Erkältung beginnt.
25.06.
Bummeln in der Stadt mit Georg, Berhard und Siegfried. Weimar die Stadt von Goethe und Schiller, posieren vor dem Denkmal der beiden.

Wir besuchen die Gedenkstätte Buchenwald. Am Turm ist eine große Plastik des Bildhauers Cremers von den Widerstandskämpfern zu sehen Wir legen Blumen nieder. In unteren Bereich ist jedem einzelnen Land ein Denkmalsturm gewidmet, das unter der Nazi-herrschaft Opfer zu begklagen hatte. Wir legen jeweils Blumen ab. Wir schauen uns auf dem weitläufigen Denkstättengelände die einzelne Stätten der unglaublichen Grausamkeiten der Nazis an. Ich will meine Tränen nicht halten.




Abends Fußballspiel Türkei – Deutschland. Sergei und Illia jubeln für die Türken, sind die noch ganz dicht?
26,06.
Aufbruch Richtung Bad Sulza. Wir weden bei Auerstedt vor unserer Unterkunftsturnhalle von dem General Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig, Oberbefehlshaber der Preußen, begrüßt. Wir erfahren, dass hier Napoleon 1806 die Preußen vernichtend geschlagen hat. Der siegreiche Generalmarschall der Franzosen war Nicolas Davur (oder so ähnlich), der
aus Savigny Sur Orge stammt. Mit dieser Stadt unterhält Auerstedt eine Städtepartnerschaft, mit dem Ziel die geschichtlichen Kriegsverwicklungen aufzuarbeiten.Das nenne ich Friedensarbeit, da könnte man sich auch für Ansbach ein Beispiel nehmen. Daß der preußische General lebendig wird ist Herrn Werner Meister vom hiesigen Heimatverein zu verdanken.

Besichtigen in Therme „Toscana“ in Bad Sulza das Blockheizkraftwerk mit der das Bad beheizt wird. Ziehe dann lieber anschließend die Hitze in der Sauna vor. In der Therme spielt extra für uns eine Band mit sphärischen Klängen.


Habe neue Jobs bekommen: Zeitungsartikel sammeln, Fahnen austeilen und mit Christian und anderen zusammen singen.
27.06.
Besuch des Windparkes Frauenpreusnitz. Bürgermeister Jepe begrüßt uns mit Essen und Trinken. Wir können ein Windrad von innen besichtigen. Die Anlage wird von der Fa.WPD betrieben, die 1996 gegründet wurde. Priesnitz hat 1200 Einwohner und produziert 10 mal soviel Strom, wie die Gemeinde. selbst braucht, ca. 22 Megawatt im Jahr.
Weiteres Solarkraftwerk, von der Fa. Solar Tec wird besucht. (www.solartecag.de)Dieser Name steht auch auf unserem T-shirt und gehört ebenfalls zu unseren Hauptsponsoren.
Abends kommen wir in Leipzig an. Schlafen im „Kommhaus“, eine Einrichtung der Stadt Leipzig. Sitze vor dem Haus und komme mit einem Passanten ins Gespräch. Er fragt mich was wir machen. Ich sage ihm, dass wir eine Friedensradfahrt von Paris nach Moskau unternehmen. Er meint: „so ein Quatsch.“ Ich: „wieso Quatsch“? Er: „Alles Scheiße, Arbeitslose, alles geht bloß ums Geld“. Ich: “Sind sie arbeitslos“?. Er: „ich verdiene mir Geld dazu….“ Er wirkt ziemlich frustriert und ich kann ihn nicht davon überzeugen, dass es sich lohnen muss, sich für eine bessere Welt einzusetzen.
28.06.

Wir werden im Rathaus von Heiko Rosental empfangen. Er ist von der Linkspartei und einer von 7 Bürgermeistern in Leipzig. Sein Ressort ist Sport, Ordnung und Sicherheit. Er hat gemeint, dass er für Umwelt und Sport zuständig ist. Er ist ein smarter symhatischer junger Mann, so um die 30. Die Linke hat in Leipzig genau so wie die SPD und die CDU 19 Sitze. Der Solarpark Fa. Juwi, größte Solaranlage Deutschlands wird besucht – www.juwi.de

Die Finazierung wird durch Aktien ermöglicht –Sachsemfond-. Die Anlage wurde auf dem ehemaligen Militärflughafengelände der Sowiets gebaut. Es waren da zur Zeiten des kalten Krieges Flugabwehrraketen aufgestellt und jetzt wird es so vorbildlich genutzt. Ist das nicht ein Paradebeispiel. Wir fahren mit extra viel Fahnen an den Solarmodulen herum und werden von einem Filmtrupp aus allen möglicher Blickwinkeln heraus gefilmt. Einige Sequenzen sollen in einen Kinofilm über erneuerbare Energien eingebaut werden. Frank Winkler, der einen leichten Herzinfarkt und Schlaganfall erlitten hatte, ließ es sich nicht nehmen, bei einen der Hauptsponsoren, die er an Land gezogen hatte, wieder dabei zu sein. Er fuhr einen Tag auch noch mit Fahrrad, um dann zur Reha zu gehen. Ich treffe Tanja aus Leipzig die auch in Kaiserslautern auf der Friedenskonferenz war, die mal kurz zu uns gestoßen war. Abends findet in Waldpolenz ein Benefiz-Open-Air-Konzert neben dem Zeltplatzgelände aus Anlass unserer Friedensfahrt statt. Als Woodstockkonzert angekündigt, zog es leider nur eine handvoll Besucher aus der Region an. Unsere Gruppe setzte sich natürlich dazu und hörte Michel Montecrossa und Band mit seinem ziemlich vollelektronischem perfekten Sound zu. Mir scheint, der Sound kommt aus der Dose und die Instrumente werden ein bisschen zum Schein benutzt. Die Stimme kommt jedenfalls live und ist gar nicht mal so schlecht.
Auch noch ein Gitarrenduo aus Frankfurt war auf der Bühne, genannt Moonlightjunkie. Die anderen Interpreten habe ich nicht gesehen, da ich mein Gepäck sortieren, bzw. mein Zelt aufstellen musste.
29.06.

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Wir fahren ohne Frühstück los. Wir bekommen nach ein paar Kilometern ein grandioses Frühstücksbüffet im Freien serviert. Die Tische sind um einen Brunnen herum garniert. Es ist vom Bürgermeister von Bennewitz ein Empfang. Unter anderem wird auch Alexander aus Belarus geehrt. Wir fahren in Gruppen. Unsere Gruppe 4 wird von Christian t.Schlussmann sollte Georg sein,i der aber immer mit nach vorne fährt.
Kurz vor Dresden holt uns ein aufgebrachter Mann ein und meint, dass er zu uns gehöre.

Es stellt sich heraus, dass er der Landtagsabgeordnete Naumann ist, der für uns den Empfang in Dresden organisiert hat. Er erreicht schließlich Konni und ist stinksauer auf die chaotischen Verhältnisse. Irgendwie hatten wir uns auch verspätet und die Friedensgruppe war gesplittet. Niemand wusste genau wo die anderen waren. Wir wurden von den Jungen Linken dann schließlich empfangen. Auf dem Hof der Stadtreinigung bekamen wir einen kleinen Empfang. Mit etwas Geduld gab es auch etwas Gegrilltes. Die anderen trudelten so nach und nach ein.
Dann gab es das Fußballspiel Deutschland - Spanien in einer Kirchenruine. Spanien hat halt einfach besser gespielt und Deutschland wurde Zweiter der Europameisterschaft.
Ich habe mich immer gewundert, warum Andrej immer vom Fahrrad fällt, bis sich herausgestellt hat, dass er des Öfteren „sturzbetrunken“ war. Bei seinen Schlangenlinien musste die Straßenbahn dann auch mal anhalten. Aber es ging Gott sei Dank immer glimpflich ab.
30.06.
Ich schaue uns mit Christian die Altstadt von Dresden an. Vortrag von Dipl.Ing. Agr. Bernhard Jansen, Ekoconnect. www.ekoconnect.org. Besuch der Dresdner Tafel; Empfang mit Obst, Gemüs und Chips. www.dresdner-tafel.de. Herr Winklervon Solarwatt (blaues Hemd) und Julia Bonk, Linkspartei, Mitglied des Landtags, Hans Jürgen Muskulus, Vorsitzender der Linken in Dresden. Die Tafel versorgt jeden Tage10 000 bedürftige Menschen. Im Haus zur Betreung obdachloser Jugendlicher finden Leute ohne Arbeit Sinn bei ehrenamtlicher Hilfe.
Wir bekommen mit, dass Günther und Notburga ausgestiegen sind. Es hat niemand darüber gesprochen was los war. Günter war im Orga-Team und zuständig für die Beladung des Gebäckanhängers.
01.07.Abfahrtvon Dresden. 10 Belarussen verabschieden sich. Alexander z.B. hat sich in Dresden ein Opel Astra gekauft und fährt mit dem Auto weiter. Er taucht später für einen Tag in Minsk mit dem Fahrrad auf und ist bei dem feierlichen Empfang dabei.

Wir werden an dem schiefen Reichenturm in Bautzen empfangen. Bautzen hat wie Ansbach ca. 40 000 Einwohner . Da war auch das Gefängnis der Stasi. Wir werden von Landtagsabgeordneten (Sorbe) Heiko Kosel empfangen. Wir bekommen Mittagessen, Kaffee und Kuchen und eine Stadtführung. Wir besichtigen die Kirche die St. Petri. Der Turm ist evangelisch, das letzte Eck am Ende katholisch. Jede Konfession hat seinen eigenen Altar. Es ist die größte Kirche Europas in der Art. Früher war noch ein Gitter dazwischen. Magister Paul Kosel hatte sich für Verständigung zwischen den Konfessionen eingesetzt.
Es gibt ein ziemliches Chaos mit den Gruppen. Christian (Leiter unser Gruppe) ist mit Naumann vorausgefahren. Wir sehen sie nicht mehr. Wir sehen nur noch Uwe, der mit seiner Gruppe nach links abgebogen ist und schieben mühsam den Berg hoch. Die Gruppe 4 hat sich aufgelöst. Nachdem ich Christian später damit konfrontiere meint er, dass ich zuviel denke. Ich hätte mir immer gewünscht, dass der erste Mann ein bisschen mehr nach hinten schaut.
Mir bricht die Fahnenstange ab und das Bambusrohr fliegt Christof in die Felgen. Geht noch mal glimpflich ab. Die Fahne hat jedoch ein Loch, das ich später zuflicke.
Nachtquartier ist das Helenenbad bei Görlitz. Das Freibad ist nicht mehr in Betrieb. Es dient aber Jugendgruppen und z.B. Gruppen wie uns, als Zeltlager. Ein-Euro-Jobber (Projekt von Jugendlichen für Jugendliche) halten das Gelände in Schuss. Es scheint für die Leute eine gute Sache zu sein. Es gibt hier öfters Veranstaltungen für Kinder, wie Schatzsuche und so. Die Leute haben extra für uns den Rasen gemäht.
Conny und Andres kommen dazu.
Bernhard geht in Görlitz.
02.07.
Wir fahren über die Grenze nach Polen. Franz war Bürgermeister von von dem er kleinen Stadt Murek. In Luban bekommt er vom österreichischen Bundespräsidenten einen Anruf, der gerade in der Heimatstadt von Franz ist. Das Telefongespräch wird dort von etwa 100 Leute über Lautsprecher mitgehört. Franz berichtet kurz von unserer Friedensradfahrt. Wir sind in Luban und warten ewig herum bis das Begleitfahrzeug kommt. Tauschen in der Zwischenzeit Sloty und versorgen uns im Supermarkt.
Wir baden am See der idyllisch gelegen ist. Warten auf Thomas, der die Pläne bringen will. Werden immer wieder vertröstet. Die Leute brechen vereinzelt auf. Wir verfahren uns, fragen oft nach dem Weg. Kommen schließlich um 23 Uhr auf dem Zeltplatz bei Legnitza an.
Konni hatte gesagt, dass auf dem Zeltplatz letztes Jahr Fahrräder gestohlen wurden. Ich lege mein Fahrrad vor mein Zelt. Ich wache früh morgens auf und –Scheiße mein Fahrrad ist weg.
Konni war spät in der Nacht noch gekommen und hatte die Fahrräder alle zusammen geschlossen. Konni war ab Dresden weg weil er private Angelegenheiten erledigen musste.
Uwe wollte irgendwann in Polen auch alleine weiter radeln. Hat jetzt aber auch frühzeitig aufgehört. Er hatte tapfer mit Karl am See ausgeharrt bis Thomas gekommen ist. Vielleicht war das dann doch zuviel.
03.07.
Ziel Wroclaw –historische Altstadt – Weltkulturerbe. Wegen meiner Erkältung schwächle ich ganz schön. Kai nimmt meine Packtasche und Conni gibt mir Mineraltrinks. Die Fahne wird eingerollt und ich fahre bei Kai vorne mit. Das geht dann schon. Mitfahren im Begleitfahrzeug ist für mich keine Alternative. Abends ist am Zeltplatz Besprechung. Konni meint, dass die Friedensradfahrt eine Demonstration ist und wir deshalb als Pulk fahren müssen. Für ihn gibt es keine Alternative. Daraufhin sagen einige Leute, dass sie dann aussteigen würden, wenn nicht in Gruppen gefahren wird. Es gibt den Kompromiss, daßdie einzelnen Gruppen in Sichtweite hintereinander fahren. DerFortbestand der Friedensradfahrt ist gesichert. Nachts regnet es. Meine „Strandmuschel“, die ich eigentlich als Zelt mitgenommen habe, ist nicht dicht und es tropft ziemlich. Hartmut schläft ganz ohne Zelt im Freien und wird natürlich auch nass, wie so viele andere. Andres zum Beispiel wurde total naß und jammert gewaltig. Was soll´s, es kommt auch wieder die Zeit zum Trocknen.
04.07.
Ziel ist der Bauernhof bei Ribin. Wir fahren auf der Bernsteinstraße, die von der Ostsee nach Italien führt. Zwischenziel ist Dobroszyce und Mittagspause wird in Twordogora. Ein Pole interssiert sich für uns. Nachem wir ihn informieren, dass wir eine internationale Gruppe sind, die für den Frieden nach Moskau fahren, freut er sich dermaßen und hüpft im Kreis. (Bild)
Gemacht. Klaus und Josef, der Sohn von Cristof Wonneberger verlassen uns. Bei Josef war es geplant. Bei Klaus sind es gesundheitliche Gründe. Kurzfristig erfahren wir, dass das geplante Abendessen auf dem Gutshof flach fällt, weil da große Hochzeit ist. Impfovisieren ist angesagt. Fahre mit Caroline ins nächste Dorf und hole was zu Vespern. In der Nähe ist auch ein kleiner Laden, wo es was „flüssiges“ gibt. Ina zaubert mit einigen Helfern Bratkartoffeln mit Zwiebeln und Würstchen. Abends in der Gartenlaube halten wir dann unsere Liedchen zum Besten. Einmal russische, dann bayerische Lieder, international halt, die teilweise von Hartmut und Xaverauf der Mundharmonik begleitet werden. Richtig zünftig ist es. Wir lassen uns von Widrigkeiten nicht die Laune verderben. Vorerst jedenfalls.
05.07.
Am Morgen werden wir von Christian mit dem elektrischen Klavier und von Karl mit der Flöte geweckt – wunderschön. Meine aufgehängten Kleider sind noch nicht trocken. Ein paar häng ich ans Fahrrad. Zwischenziele Ortrzesrow – Mittagspause C,zajkow. Ankunft Sieradz, der Gebäckanhänger ist nicht da, wird im Laufe des Abends kommen Wollte waschen – geht nicht. Wir gehen in die Stadt und suchen Möglichkeit zum Speisen. Die hübsche Agu freut sich mit uns Deutsch zu sprechen und verspricht uns eine gute Lokalität außerhalb zu finden, wo es sehr guten Fisch gibt. Sie organisiert einen Fahrer, der uns vorausfährt, denn sie ist schon zu betrunken. Wir fahren hinterher und kommen nach etwa 6 km an der Raststätte an. Sie übersetzt uns die Speisekarte und geht erst wieder, als wir alle versorgt sind. Zwischendurch kippt sie mal nach hinten weg, aber sie unterhält und hilft uns blendend. Dann muss sie dringend wieder zurück zur Hochzeit von ihrem Vater. Das Essen ist wirklich gut und billig. Es war einfach ein Erlebnis guter Gastfreundschaft.
06.07.
Sonntag, gute Stimmung, die Sachen sind wieder einigermaßen trocken., wolkenloser Himmel. Unser Ziel ist Lodz. Wir verfahren uns im Wald und müssen eine ziemliche Strecke wieder zurückfahren. Ab Scadek sollte die Polizei mit fahren, die aber nicht da war.
Die Zeiten hatten sich wie so oft nach hinten verschoben. Empfang in Lodz von der Presse. Wir fahren durch eine Promeniermeile an der uns die Passanten von den Cafes und Kneipen zuwinken. Begrüßt werden wir auch von einem Kulturverein. Die Leute kommen aus der Nachbarstadt „Tadcek“ oder so ähnlich und zeigen uns die Stadt. Wir haben eineStunde Zeit und shoppen in dem Riesenkaufhaus Manaufaktura. Konni macht mit ein paar Leuten Abendessen mit dem Brater. Morgen haben wir ca. 140 km zu fahren. Ein Teil fährt mit dem Zug. Ich wollte wissen, wer mit dem Fahrrad fährt, wann wir losfahren, und ob wir ein Begleitfahrzeug haben. Niemand hatte was gesagt. Ich frage Thomas und der meint, dass ich mich drum kümmern kann dies zu organisieren – toll.
07.07.
Um 05.30 Uhr stehen wir auf. Erstaunlich viele sind auf der Matte und fahren mit dem Rad. Es klappt mit dem Frühstück. Die Ina ist immer die treibende Kraft, die das ermöglicht.
Auf den großen Straßen kommen wir schnell vorwärts. Wir schauen uns den Park am Chopin-Museum in Zelozowa Wola an. Das Museum selbst ist geschlossen. Wir können das Haus in dem Chopin gelebt hat von außen bewundern. Wir kommen etwa 19.00 Uhr an der Bibliothek, die als Ankunftsort mitgeteilt worden war, an. Konni mit dem Gebäckanhänger ist nicht da. Die Leute sind abweisend, können uns nicht weiterhelfen. Geplant ist Zelten auf dem nahen Zeltplatz. Es regnet und die Zelte und das Waschzeug sind im Gepäckanhänger. Zu essen gibt es auch nichts und Konni ist nicht erreichbar. Zu guter letzt geht auch noch die Alarmanlage los und macht die Untergangsstimmung perfekt. Die Leute sind voll genervt und sauer. Nach etwa 20 Minuten schafft es Xaver den heulenden Ton abzuschalten. Etwa zu 10 fahren wir mit Franz auf eigene Faust zum Essen. Wir haben einfach Hunger. Das Essen ist etwas mickrig, aber immerhin. Als wir zurückkommen ist Konni da und der Regen hat aufgehört. Wir stellen das Zelt bei einbrechender Dunkelheit auf und essen noch etwas.
08.07.
Sabine, die in ihrem Beruf als Lehrerin speziell als Mediatorin ausgebildet war, gibt ein Statement über den vorherigen Tag ab. Sie appelliert an die Hauptorganisatoren uns Teilnehmer mit Respekt zu behandeln und die Organisation zu verbessern. Von Konni wird entgegengehalten, dass wir als Teilnehmer alle für die Organisation mitverantwortlich sind.
Jenasch, der Beziehungen vor Ort hat, organisiert den Empfang am Mahnmal des Warschauer Ghettos. Er ist ein guter Bekannter von Karl. Sascha für Weißrussland, Atolia für Russland, Anna für Österreich und Julia für Deutschland, legen zusammen einen Kranz nieder. Extra wird noch am Denkmal des Warschauer Aufstandes ein Kranz von Ina und Karl niedergelegt. Anschließend werden wir zur Turnhalle gelotst.
Die Fahrerei unserer großen Gruppe ist chaotisch. Wir haben keine Polizeibegleitung.
Scheinbar ist der Beifahrer eines polnischen Autos sehr erbost über uns. Ich weiß nicht ob unserer Demonstration oder unseres Fahrverhaltens. Er geht ganz aggressiv auf Christian zu und spricht polnisch. Wir verstehen ihn nicht. Illia kommt hinzu und ich sehe nur wir er den Beifahrer anspuckt. Illia meinte später, dass der Pole ihn zuerst angespuckt hätte. Das habe ich aber nicht gesehen. Illia hatte ja später die Auszeichnung „Friedensengel“ von Konni wegen seiner Verdienste bei der Friedensradfahrt bekommen. Ich habe den Ausdruck „weiches Wasser bricht den Stein“ neu verstanden.
Abends essen wir in der Innenstadt eine leckere gebratene Ente. Christof hatte uns vorgeschwärmt, dass er die Erinnerung an eine gebratene Ente in Warschau vor 30 Jahren noch im Gaumen hat. Er hat uns nicht enttäuscht. Andreas, mit Spitznamen Gruppe 0, treffen wir in einem Lokal schlafend am Tisch. Den Namen hat er, weil er meistens alleine fährt. Er schließt sich uns an. Der Arme vergisst sein en Rucksack und muss mit der U-Bahn wieder zurück. Er kriegt ihn sogar wieder.
09.07.
Chistian fährt heute mit dem Begleitfahrzeug und beauftragt mich ihn als Gruppenführer zu vertreten. Die Gruppe ist sich einig, dass wir Georg als „letzten Mann“ durch Christof ersetzen. Vorerst führt uns noch Thomas in der Gesamtgruppe. Wir wollen zu einem Vortrag bei einer Energiefirma über erneuerbare Energien. Wir irren 2 Stunden herum und finden dann sogar die Straße, in der die Fa. Sein soll. Nur gibt es die Straße scheinbar zweimal, und zwar noch in einem anderen Stadtteil. Da waren wir leider im falschen Teil. Unverrichteter Dinge fahren wir als Einzelgruppen weiter.
Es läuft gut und wir machen Mittagspause in Dobre, was auf deutsch auch gut heißt.
Abends kommen wir in Smuniew an. In der Dorfhalle bekommen wir Suppe und Fleischküchle, was super lecker ist. Ich habe ein emotionales Hoch. dass mir die Tränen kommen. Wir übernachten im Garten des Agrarhofes im Zelt. Cristian und Carolin fahren wegen der Pässe nach Warschau
10.07
Habe mein Handtuch liegen lassen und stelle später fest, dass man sich mit einem T-shirt auch abtrocknen kann. Bin heute nochmals Gruppenführer. Ich orientiere mich erst nach der Karte. Nachdem unser Zielort Terespol auf dem Verkehrszeichen angeschrieben ist, fahren wir den Schildern nach. Die Straßen sind wunderbar und es geht gut zu fahren. Nur stellen wir fest, dass der Plan eine andere Route vorgesehen hätte. Es wäre da auch eine Sandpiste dabeigewesen. Anna protestiert, als sie hört, dass wir eigentlich an Mariampol vorbei kommen hätten müssen. Sie meinte, dass dies ein ganz bekannter Pilgerort sei. Sie versucht erst auf eigene Faust dorthin zu fahren, lässt es dann aber doch. Mir wurde gesagt, dass das mit dem Pilgerort nicht sein kann. Ansonsten waren wir alle zufrieden. Abends kommen wir in der Grenzstadt Polens an. Von ein paar Leuten wird vegetarisch gekocht und wir nehmen die Töpfe zu einer Wirtschaft mit. Dort bekamen die Fleischesser noch Schnitzel. Es gab leider nur 20. Die, die nicht schnell genug waren, so wie ich zum Beispiel, mussten halt auf Fleisch verzichten. Das elektrische Klavier wird herangeschleppt und Christian begleitet uns bei ein paar Liedern.
11.07.08
Mit 2 Stunden Verspätung kommen wir an der belarussichen Grenze an. Carolin hatte ihre Scheckkarte nicht gefunden und geht zur Polizei. Sie hat sie wahrscheinlich in Warschau im Internetcafe liegen lassen. Des weiteren wurde bemerkt, dass der Fahrzeugschein für den einen Anhänger bei Helmut in Marburg ist. Der hatte den Hänger nämlich eine zeitlang mit seinem VW-Bus gezogen. Es wird eine Kopie gefaxt.
An der Grenze angekommen werden wir überwältigend empfangen.

Es ist ein richtiger Staatsempfang mit Blaskapelle, Frauen in Trachten, die uns Brot und Salz überreichen und mit mehreren Fernsehteams.


Unser jüngstes Mitglied, Sascha aus Belarus wird vom Fernsehen interviewt.
Ab sofort haben wir ständige Polizeibegleitung. Meistens fährt vorne und hinten ein Streifenwagen und dazu noch ein Sanitätsauto mit Arzt für alle Fälle. Außerdem betreut uns ab so fort ein Mann vom Ministerium. In Brest steht fas an jeder Kreuzung ein Polizist.
Wir besuchen die Heldenfestung Brest und legen dort auch einen Kranz nieder. Es gab hier eine 2 km lange Kaserne, die im Juni 1941 zerstört wurde. Die Festung war mit 10 m hohem Erdwall und Wassergraben umgeben. Die Verteidigungslinie war 45 km lang. Die Kämpfer leisteten erbitterten Widerstand. Die Nazis waren überrascht über die Gegenwehr. Erst nach längerer Besetzung wurde die Festung eingenommen. Die Festung wird für den Eintrag bei der Unesco als Weltkulturerbe beantragt. Zur Zeiten der Sowietunion galt dieser Bereich als heiliger Boden. Im Jahr 2000 wurde hier ein Museum eröffnet. Wir übernachten in einer riesigen modernen Sporthalle in Brest. Bei der Einweihung der Halle war der Präsident Lukaschenko persönlich anwesend.
12.07.08
Frühstück bekommen wir, wie das Abendessen am Vortag, im Stadthaus. Es gibt Fisch, Salat und Kakao. Für uns ein ungewöhnliches Frühstück. Kaffee kann man sich Gott sei Dank dazu kaufen. Ohne Kaffe kann ich nicht Fahrradfahren. Übrigens bekommen wir in Belarus jetzt jeden Tag drei Mal warme Mahlzeiten. Das geht alles auf Kosten des Staates, ebenfalls die Übernachtungen. Valentin wird verabschiedet.

Anschließend besichtigen wir einen Tierpark mit Bisons, Wildschweinen u.s.w . Übrigens hatten wir auch unterwegs einen freilaufenden Elch gesehen, der von uns aufgeschreckt, davon galoppierte. Dann haben wir den belarussichen Nikolaus, bzw. Väterchen Frost, besucht.

Er wohnt dort in einem Märchenpark in einem wunderschönen Haus. Die Kinder können ihre Wünsche dorthin richten. Die Adresse: 225063 to Father Frost, Belovezhzskoya Pushcha, Villas of Kamenivki, Kamenets distrikt, Brest region, Belarus. Wir machen ein Gruppenphoto mit Nikolaus und seinem “Kollegen” Konni Schmidt. Nikolaus nennt ihn so, da er mit seinem langen grauen Haaren und dem grauen Bahrt ähnlich ausschaut. Er will das Bild mit uns in dem Museum ausstellen. Tolia erzählt dem Väterchen Frost auf russisch, dass er seinen russischen Kollegen, der im Norden von Russland wohnt, auch schon besucht hat.
Trotz Polizeibewachung war mein Tacho auf einmal weg. Abends sind wir in Pruschani. Leider gibt es bei der Unterkunft keine Duschen. Wir besuchen ein Denkmal für 52 verbrannte Dörfer. Wir legen einen Kranz nieder. Wir werden vom Bürgermeister von Pruschani mit Folklore-Chor mit Frauen und 2 Männern empfangen. Wie immer gibt es Brot und Salz. Wir besuchen auch die Eissporthalle, wo gerade ein heißes Match in der kalten Halle geliefert wird. Auch ein Museum über Arbeiten belarussischer Künstler wird angeschaut.

Wir kommen in den Genuss einer Tanzaufführung von jungen Mädchen in ihren selbst gebastelten Kleidchen. Wunderschön!
13.07.08
Zum Frühstück bekommen wir Weiswürste ohne Haut. Wir besuchen eine Schlossruine (Sabieka) Es war das belarussische Versailles, im 15. Jahrhundert erbaut. Immer wieder umgebaut, im 1. Weltkrieg zerstört und wieder aufgebaut. Anfang 19. Jahrhundert befand sich eine Manufaktur darin. Auch gab es früher ein Theater und eine Gemäldegalerie. Gegenüber Wir schauen uns auch eine barocke orthodoxe Kirche aus dem 16. Jahrhundert. Uns empfängt der Pfarrer im goldfarbenen Talar. Er erzählt uns, dass gestern Feierdienst für die beiden Apostel Peter und Paul war. Bänke gibt es nicht, die Leutemüssen stehen.
Wir kommen nach Slonim und werden wieder vom Bürgermeister und Frauen in traditionellen Trachten empfangen. Anschließend gibt es eine Stadtführung. Slonim hat ca. 3400 Einwohner Aginsky (um 1800) hat Kanal gebaut, der frührer das Schwarze mit dem kaspischen Meer verband. Im 18. Jahrhundert war im Fluss eine weltberühmte Bühne. Der Neffe von Aginsky hat Polonese komponiert. Einige von uns springen während der Führung ins Wasser. Nächster Programmspunkt ist ein Museum, was wieder einige auslassen. .Christian und ich gehen Billard spielen. Anschließend gibt es nebenan im Hotel Abendessen.
Abends propfen wir uns zu 20 oder so im Laderaum des Kombi und werden zur heiligen Quelle gefahren. Wegen Wasserrohrbruchs gibt es nämlich keine Dusche. Esther kriegt die Panik und muss Richtung Türe, aber sie bleibt drin. Ist ja nur für einen Kilometer oder so. Erst die Weibchen, dann die Männchen. Wenn man ein bisschen Geduld hat, kann man sich in dem dunklen Wasser erfrischen. Ich will gar nicht wissen, warum das Wasser so braun ist…, ist ja heilig! Es gibt ein paar, die verzichten auf das kühle Nass. Ich fühle mich jedenfalls anschließend ganz gut und gehe mit Christian in der Dorfkneipe noch ein Bier trinken. Wir übernachten in verschiedenen Wohnblocks, in einfachen Mehrbettzimmer.
14.07.08
Zum Frühstück gibt es heute Salat, Fleischkuchen und Kartoffelpüree. Unser Zwischenziel ist heute Zhirovichi , wo wir ein Kloster besuchen. Es gibt hier 40 Mönche, 20 davon Schüler. Zu Sowietzeiten war das hier das einzige Kloster. Zu dieser Zeit gab es darin keine Ikonen. Nach Auflösung der Sowietunion wurden die Ikonen, sprich Bilder, wieder angebracht. Das Kloster warde aufgrund einer Ikonenerscheinung gebaut worden. In Barnowichi werden wir mit Fähnchen empfangen. Wir machen einen Singkreis und singen „We shall overcome“.
In Nesvizh sind wir in der Heimatstadt von Tschenia angekommen.

Er wird hier auch geehrt weil er bei der Friedensradfahrt treu und zuverlässig für das Gebäckeinladen und –ausladen zuständig war. Die Begrüßung war deshalb auch besonders herzlich. Beim Empfang sind Kriegsveteranen in einer Reihe. Auch Ältere Frauen, die für die Jugendarbeit zuständig waren stehen stolz beim Empfang. Bei den Reden wird immer besonders die Wichtigkeit des Sports hervorgehoben und bei unserer Friedensradfahrt wird oft von „Radrennen“ gesprochen. Wir besichtigen Schloss und Kirche und kommen dann zu unserer Unterkunft. Wir haben komfortable Zimmer mit Stockbetten. Vorher waren wir im Schwimmbad zum Duschen. Kurzerhand sprangen wir voller Begeisterung ins Becken, jedoch beendete der Bademeister sofort unseren Spaß.
15.07.08
Wir besichtigen die Gedenkstätte Gordeya, Hinrichtungstätte von Juden. Gedenktag ist hierder 17.Juli 1942, als viele Juden erschossen wurden. In der Nähe wurden auch viele Dörfer zerstört, die Männer verschleppt und die Frauen und Kinder den in Scheunen lebendig verbrannt. . Gedenkstätte gibt es erst seit 2004. Jeder Stein symbolisiert einen Juden der getötet wurde. Insgesamt wurden von den Nazis ca. 1/3 der Belarussen getötet.
Wir besichtigen in Mir, auf deutsch „Frieden“, die Schlossanlage. Ich finde einen Käfer am Boden, der scheinbar fast tot ist. Ich denk, den nehme ich der Birgit mit, die tote Käfer sammelt. Ich nehme mir vor, ihn nicht zu töten, aber zu schauen, was er macht. Auf den Quergängen lasse ich ihn aus der Filmdose krabbeln. Und siehe da, er wird munter und plötzlich fliegt er los. Er schafft es über die Mauern der Festung und ist frei. Ist das nicht ein schönes Symbol. Meine Interpretation dieses Symbols: Man muss den Frieden, der schon totgeglaubt scheint, nur auf eine höhere Ebene bringen und schon kann er sich entfalten. Oder so ähnlich.
Heute erreichen wir die 3000 km Marke und feiern gebührlich mit Sekt. 10 Leute haben diese Strecke bis jetzt von Paris aus zurückgelegt. Anschließend Empfang des Bürgermeisters vom Bezirk Akinsky mit der üblichen Zeremonie. Wir sehen auch das Geburtshaus von Jakob Kolas, der das weltberühmte Gedicht „Neues Land“ geschrieben hat.
Wir kommen bei Hatyn an dem Denkmal, das auf einem auf 346 m aufgeschütteten Berg errichtet wurde, vorbei. Auch hier werden wir wie üblich empfangen und erklimmen den Gipfel. Abends Übernachtung in der Turnhalle in Dzerzhinsk. Wir mobilisieren alle Fahnen um dann besonders wirkungsvoll am nächsten Tag in Minsk „einzulaufen“
.
16.07.08
Wir werden von den Radsportfreunden aus Minsk zum Platz des Sieges begleitet. Herr Kevic vom Sportministerium ist auch mit von der Partie. Wieder ein spektakulärer Empfang. Alexander, der sich in Dresden ein Auto gekauft hat, ist auch wieder da, um beim Empfang dabei zu sein. Die Kinder wollen Autogramme von uns, als wären wir Sportstars. Ein Junge bekommt von mir einen Kugelschreiber geschenkt und freut sich enthusiastisch. Auch werden unsere Fahrräder begeistert begutachtet.


Wir besuchen Hatyn, das als Mahnmal aus Beton wieder aufgebaut wurde, an den Tag des Massakers, den 22.03.43, erinnern soll. Partisanen hatten damals auf Züge geschossen und von den Deutschen, den Soldat Hans Völker vom 118. Battalion, der erste Olympiasieger im Kugelstoßen, erschossen. Als Strafaktion wurden die Männer erschossen und die Frauen und Kinder in die Scheunen eingesperrt, die dann angezündet wurden. Nur 2 Jungen überlebten .
Insgesamt wurden 149 Erwachsene und 45 Kinder getötet. Für jedes Haus steht jetzt ein Glockenturm.
Trasdinitz war größte Vernichtungsstelle von Belarus. Man machte Experimente mit Kindern, die als „Leichen“ starben. Ab Oktober 1943 wollte man alles vertuschen. Die Leichen wurden begonnen auszugraben und zu verbrennen.
Weiter bekamen wir Informationen über Belarus und speziell Minsk. Lukaschenko regiert seit 1994. Bei dem Tschernopyl-Unglück von 1986 bekam Belarus 70 Prozent des radioaktiven Niederschlags ab. Minsk hat eine Arbeitslosenquote von 0,7 Proz. Belarus ist in 6 Gebiete aufgeteilt. Teile davon sind z.B. die Bezirke Brest und Minsk.
Samanda hat an der Gedenkstätte Hatyn, mitgenommene Erde von Paris, in eine Friedensfahne eingewickelt, und am Gedenkstein niedergelegt. Die meisten haben ihre Tränen nicht zurückgehalten. Karolin machte eine kleine Ansprache und meinte, dass die Gefühle im Moment zählen und die Tränen fließen dürfen.
17.07.08
Wir besuchen die Zweiradfabrik Bike Plant. Die Fabrik wurde 1947 aufgebaut. Vor dem 2. Weltkrieg war es eine Stoffabrik. Die Gebäude waren im Krieg größtenteils zerstört worden.
1948 ging das erste Fahrrad vom Band. Ab 1951 begann die Produktion von Mopeds und Motorrädern. Es wurde die Marke Moskwa produziert, später die Marke Minsk und die Marke Eiest. Die Fabrik hat 6 ½ Tausend Mitarbeiter. Die Mitarbeiter verdienen durchschnittlich, umgerechnet 300 US-Dollar im Monat bei einer normalen Arbeitszeit von 40 Std. pro Woche. Die Firma ist der erste private Betrieb in Belarus. Es war der Versuch des Staates die schwierige finanzielle Lage durch Privatisierung zu meistern. Das österreichische Unternehmen ATEK erhielt den Zuschlag und hält seit Sept 2007 fast 100 Prozent der Aktien. Der Rest gehört den Mitarbeitern. Die Fabrik ist auf dem Standart wie bei uns vor etwa 50 Jahren und hat dadurch einen ganz besonderen Flair. Eine Frau lackiert mit der Sprühpistole die Rahmen der Motorräder gegen eine Wand die von Wasser überspült wird.
Es gibt eine Pressekonferenz auf der Franz sein Dorf, das den Energiebedarf mit erneuerbaren Energien deckt, vorstellt. Auch Jerry aus Australien gibt ein Statement über die Energiesituation seines Landes und seine Beweggründe bei der Fahrt mitzufahren. Des weiteren dürfen sich noch Christa und Thomas äußern.
Wir besuchen eine Veranstaltung von Ökodom in Minsk. Es ist eine Vereinigung von Wissenschaftlern und Studenten, die von internationalen Fonds unterstützt wird.
Wir hören einen Vortrag über ökologische Bauweise und werden über den Widerstand gegen die geplante Atomkraftanlage informiert. Die Aussage der Widerstandsbewegung: nicht die Regierung ist schlecht sondern die Strategie ist falsch. Die Mitglieder werden teilweise vom KGB verhört, können aber ihre Arbeit machen.
Wir sind bei einem Empfang von der Belarussischen Freundschaftsgesellschaft eingeladen. Jungen und Mädchen in Trachten unterhalten uns mit traditionellen Tänzen und animieren uns zum Mittanzen.

Conni aus München erleidet dabei eine Bänderdehnung oder so was ähnliches und muss ins Krankenhaus. Sie kann dann die Fahrt leider nicht mehr fortsetzen und wird später mit dem Flugzeug zurückgeflogen.
18.07.2008, Freitag
25 km nach Minsk besuchen wir den „Hill of Glory“, der 35m hoch ist und in der Mitte von Belarus gelegen ist. Es ist eine Gedenkstätte für die Befreiung im 2. Weltkrieg. Die 4 Spitzen des Denkmals stehen für die 4 Fronten. Auch hier traditioneller Empfang.

Nächster Empfang in Zhodino, Wohnort von Illia. Es bekommt dort jeder einen gläsernen Stier als Gastgeschenk. Der Bürgermeister und die Kriegsveteranen halten eine Ansprache.
Am Denkmal der Mutter der Soldaten legen wir Blumen nieder. Wir bekommen dafür alle Nelken. Einem Friedensradfahrer ist es vermutlich langweilig und er zerrupft seine auf den Boden. Ich glaube die Reste auf und gebe sie ihm wieder mit dem Hinweis, dass er wohl was verloren hat.
Empfang in Borisow mit militärischer Kapelle im Stechschritt.
19.07.2008, Samstag
Fahrt nach Nacha – Krupki – Zarwig; Tagesziel Barany. Empfang in Krupki mit 3 Frauen und Akordeon. Mittagessen in Tolochin.
Vom Bürgermeister bekommen wir Wappen aus Holz zur 575 Jahresfeier. Abends in Barani Mittelalterflair mit Pferden, mittealterlichen Figuren und Luftballone steigen. Die Erklärung von Baran, die vom Orgateam erarbeitet wurde, wird verlesen. Konni und Christian stimmen das Lied „We shall overcome“ an.
20.07.2008, Sonntag
Oscha, Ansprache von Christa an der Gedenkstätte. Wir verscherbeln die letzten belarusischen Rubeln. Wir werden von 2 Akkordeonspielern und Frauen mit 3 Kuchen empfangen und singend und spielend bis zur Grenze begleitet.

Wir kommen über die Grenze ohne Kontrolle und übernachten dann in Krasny in der Turnhalle. Es gibt ein Klo und eine Dusche in der Halle für uns alle, aber eine super Discoanlage. Wir haben viel Spaß beim Abtanzen. Vorher besuchen wir noch ein geschichtliches Museum mit Mik, Panzer und Flak davor.
Einer von uns hat scheinbar den Wodka nicht so vertragen, bzw. zuviel davon erwischt und hat sich auf den Schlafsack von Georg und den Boden neben mir ergeben. War nicht so appetitlich. Der Verursacher war jedenfalls morgens mit dem gleichen Anzug wieder auf der Matte und gleich startbereit. Zum Aufputzen war er leider nicht in der Lage.
21.07.2008, Montag
Wir fahren nach Smolensk erst in Gruppen, dann doch in Polizeibegleitung. Mittagessen in einem noblen „russischen Mc Donalds“. Wir müssen lange anstehen, um unsere spendierte Pani-Pfanne zu bekommen. Es gibt gewitzte, die die Unaufmerksamkeit anderer nutzen und sich an denen vorbeimogeln. Na, na, als Friedensradfahrer muss man doch Geduld haben! Aber irgendwie ist sich doch jeder selbst der nächste. Zumindest momentan noch. Da kann man auf jedem Fall noch daran arbeiten, wie wir auch in der Gruppe Frieden leben.
22.07.2008
Wir schauen uns die Weltkugel bei einer Kunstdüngerfirma in Verhnedneprovskij. Es gibt kritische Stimmen, dass wir uns von einer ökologisch bedenklichen Firma einladen haben lassen. Die Mehrheit der Gruppe lässt sich vor der großen Kugel fotografieren.
Abends in Turnhalle in Dorogobush. Ich bekomme beim Empfang einen Schmetterlingsanhänger von einem kleinen Mädchen geschenkt. Wir werden mit einem ausgemusterten alten deutschen Bus zu einer städtischen Saunaanlage gebracht.
23.07.2008
Besuch des Klosters Boldino, abends Übernachtung in Wjasma. Es gibt eine kontroverse Diskussion wer in der Gruppe mitfahren darf, die die ganze Strecke am nächsten Tag fahren darf. Es gibt dann doch nach einiger Aufregung eine Lösung.
24.07.2008
Wir werden von der Polizei von der Autobahn verwiesen. Es war der Versuch Kilometer zu sparen, es hatte nicht geklappt. Dadurch musste unsere kleine Gruppe der ganz harten 208 km zurücklegen um ans Ziel zu kommen. Ein paar wurden nicht erwischt, die dadurch ca. 60 km sparten. Es war aber ein schönes Gefühl, nach der langen Strecke anzukommen, gleich Essen zu bekommen und rechtschaffen müde in den Schlafsack zu fallen.
Wir kommen durch Gagarin, der Geburtstadt des berühmten russischen Kosmonauten.
Unser Zielort ist Moshaisk
25.07.2008
Besichtigung des Klosters Swenigorod. Empfang durch Veteranen des 2. Weltkrieges. Empfang in Sevni Gorot. Der Bürgermeister bei seiner Ansprache: „Ich liebe euch“
Unterkunft in Archangelskoje.
26..07.2008
Wir kommen in Moskau an. Die Autobahnen und Einfallstraßen sind für uns gesperrt und wir treffen geschlossen am Roten Platz mit Blaskapelle empfangen. Sehr beeindruckend und bewegend!




